Adenauer{welt} | Abschied

Nix zo kriesche

 

Siebengebirge. Margarethenhöhe.

Ein letzter Spaziergang mit Konrad Adenauer. Aus den Formen der Natur entweichen die Dämonen der Vergangenheit. Das knorrige Wurzelwerk reizt die Phantasie, läßt auch die Ängste der Gegenwart in gespenstischen Bildern kondensieren.

So ein langes, produktives Leben. {Robuste Natur}. Warum die Qual der letzten Jahre?
Da sind die Sorgen des {Altgedienten}, der nicht loslassen kann, die Gesundheit, die Memoiren, das politische Vermächtnis. Doch der {Hochbetagte} leidet in tieferen Schichten, an der Einsamkeit des {Unnahbaren, Herausragenden, Schwierigen, Skeptikers, des Umstrittenen, Unverstandenen, Kaltgestellten, Verletzten, des Witwers}. Und im Rhöndorfer Haus warten die Erinnerungen an die harten Verluste, die der jetzt gebrechliche {Kämpfer} hinnehmen mußte.

Es geht dem Ende zu. Fieberträume rufen Bilder hervor. 1944. Gestapo. Der Kerker. Das Waschbecken?
Der Glaube bietet Trost und Läuterung. Letzte Worte zur Familie im Angesicht des Heilands.

 

Die Bilder

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Natura Morta, Margarethenhöhe im Siebengebirge.

Er sorgte sich sehr zum Schluß (….), aber nicht seinetwegen. Er sorgte sich um Europas Uneinigkeit und Ohnmacht, um die Gefahren des Atomkrieges, um die Menschen, die Opfer ihrer Illusionen würden. Er wollte weiterkämpfen.
Paul Adenauer

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Esstisch im Adenauerhaus.

Wenn man so alt ist wie ich, steht man sehr einsam da. Alle Menschen, die ich kannte, die mir lieb waren, meine beiden Frauen, meine Freunde, sind tot. Es ist keiner geblieben. Es ist ein trauriger Tag.
Konrad Adenauer zu Anneliese Poppinga (5. Januar 1961)

Da begegnete mir nicht mehr der große, kraftvolle, mächtige und einflussreiche Vater, sondern der Mensch Konrad Adenauer, der mir, dem Menschen Libet, seiner Tochter, nahe war. (…) und ich bin glücklich und empfinde tiefe Dankbarkeit, einen solchen Vater gehabt zu haben.
Libet Werhahn

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Treppengeländer im Obergeschoss auf dem Weg in das Badezimmer.

Und er sprach vom Gefängnis. Zweimal hatten die Nationalsozialisten ihn inhaftiert. Die Not, die er in seinem Leben ertragen mußte, von der er selten sprach; die Erfahrungen, die Ängste während der Isoliertheit vieler, langer Jahre zur Zeit des Nationalsozialismus, sie fanden jetzt ihren Ausdruck in Alpträumen.
Anneliese Poppinga

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Blick in das Badezimmer.

Sein Alter wurde sein ärgster Feind. Er fand keine Waffe dagegen.
Anneliese Poppinga

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Spiegel, Waschbecken, Utensilien.

… das hohe Alter, die Einsamkeit, die verhaltene Trauer; aber auch die Erfahrung, die schlichte Weisheit, das Fehlen jeder Prätention bei natürlicher Würde; der Ernst und der Humor; der Charme, der von ihm ausgeht …
Golo Mann

… der vulkanische, manchmal zu unkontrolliert impulsiven, ungeduldigen, von irrealem Wunschdenken oder von dumpfen Befürchtungen bewegte, egozentrische, der Boshaftigkeit und Rachsucht fähige Adenauer … Hans-Peter Schwarz

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Durchgang zum Sterbezimmer.

Es war ein schweres Leben, aber auch ein schönes Leben, da sage ich ganz offen, politisch ein schönes Leben. Denn in der Politik (…) finde ich den Kampf, namentlich wenn er erfolgreich ist, wunderbar und schön. Ohne Kampf ist es langweilig. Wenn man den Kampf verliert, ist es bitter; aber wenn man kämpft und dabei siegt ist es schön (…).
Konrad Adenauer

1963, kurz vor dem Rücktritt, fragte ihn jemand nach dem Tod. Er könne sich nicht vorstellen, erwiderte der Kanzler, daß nach dem Tod nichts mehr sei. Das, was wir Geist, Leben, Seele nennten, werde irgendwie existent bleiben. Im Grunde sei das Entstehen des Lebens ein ebenso großes Geheimnis wie der Tod.
Horst Osterheld

Ich habe Konrad Adenauer in stillen Stunden des Abends erlebt, mit ihm gesprochen. Wir beide allein. Er war ein tiefer, gläubiger Mensch und Christ. Er war im letzten einsam.
Heinrich Krone (Tagebucheintrag vom 19. 4. 1967)

 

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Blick vom Sterbebett aus dem Fenster.

Do jitt et nix zo kriesche.

Konrad Adenauer