Adenauer{welt} | Glaube

{Schmerzensmann}

 

Welch ein Bild.

Da beugt der greise {In-sich-Versunkene} sein Knie vor der höchsten Autorität, ordnet einsam die Hände zum stillen Gebet.
In der Rhöndorfer Pfarrkirche wurde eine Ikone der frühen Bundesrepublik geschaffen:
Adenauer, {Katholik} mit festgefügtem Weltbild, Protagonist einer sich christlich verstehenden Politik nach dem kollektiven Sündenfall. Adenauer, der Mitschöpfer einer »gottgefälligen« sozialen Marktwirtschaft. Wie hielt er es persönlich mit den Geboten des christlichen Glaubens?

Da gibt es »Nachtseiten«, so der Historiker Hans-Peter Schwarz. Adenauer der {Egozentriker, Autoritäre, Streitsüchtige, Boshafte, Rachsüchtige}, zeitweilig verstrickt in die Versuchungen des von ihm verurteilten Materialismus.

Der {Wahrhaft Gläubige} im »charakterverderbenden« Politikgeschäft?
Für den {Rheinischen Katholiken} hatte die Religion auch eine ganz pragmatische Funktion. Sie bot bestmögliche Orientierung im Strudel der Zeit, half durch die Finsternis der antichristlichen Diktatur, mit der er sich nicht gemein machte.
Später gab es wenig Skrupel, religiöse Bindungen machtpolitisch zu instrumentalisieren. Sich selbst ließ der {Große Skeptiker} nicht vereinnahmen. Kirchlicher Autorität begegnete er zuweilen mit bissiger Kritik.

Besuch in Sankt Marien. Reduktion auf das Wesentliche. Stille. Erinnerungsbilder. Leidensbilder. Die Vision vom {In-sich-Gekehrten-in-Gegenwart-des-Gekreuzigten} entsteht. Der Schmerz im zerfurchten Antlitz.
Wo ist das Wahrhaftige in der einsam-leidenden Innerlichkeit?

 

Die Bilder

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Blick vom Eingang des Adenauerhauses in den Hausflur.

Eine weitere, von Kindheit an bis in die letzte Stunde dieses Lebens wirkende Kraftquelle ist Adenauers Religiosität. Sie ist vom familiären Milieu nicht zu trennen.
Hans-Peter Schwarz

Herr Frings, kümmern Sie sich um Ihre Kirche und lassen Se mir den Staat.
Konrad Adenauer zu Kardinal Frings

Da war mein Vater wirklich liberal, er war der Auffassung, jeder sollte seinen Herrgott selber finden.
Georg Adenauer

Ganz besonders liegt mir am Herzen, seine große Zuwendung zu anderen Menschen, in der auch seine religiösen und sozialen Wertvorstellungen Ausdruck fanden, an meine Kinder, Enkel und Urenkel weiterzugeben.
Libet Werhahn

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Still-Leben in der Schrankwand im Schlafzimmer (Sterbezimmer).

Der Kommunismus war die Lehre des Teufels (…).
Wilhelm von Sternburg

Angesichts der weltweiten Bedrohung durch den Materialismus ist eine Besinnung auf die Grundlagen des Christentums nötiger denn je.
Konrad Adenauer

Abendland, christliches Abendland (…) ist ein geistesgeschichtlicher Begriff, der auch Amerika mit umfaßt. Dieses christliche Abendland wollen wir mit zu retten versuchen.
Konrad Adenauer

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Teppichboden im Obergeschoss des Adenauerhauses.

Die Erfolgreichen waren nicht immer die Glücklichen, diejenigen, die dem Gewinn, dem Genuss, dem Geld, der Macht nachjagten, waren sicher nicht die Glücklichsten, auch wenn sie Genuss und Geld und Macht erlangten.
Konrad Adenauer

Geld ist Dreck. Aber Dreck ist kein Geld.
Helene Adenauer (Konrad Adenauers Mutter)

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Beschlag am Portal der Rhöndorfer Pfarrkirche Sankt Marien. Adenauer ging hier jeden Sonntag zur Messe. Im Innern erinnern einige teilweise versteckte Objekte an ihn.

Erschwerend kam hinzu, daß er es verstanden hatte, seine eigenen Einkünfte auf ein Spitzenniveau zu steigern. Immer, wenn ihm (….) Kritiker am Zeug flicken wollten, machten sie auf die unschönen Widersprüche aufmerksam: hier der prononciert christliche Mann, der stets mit bewegten Worten den zeitgenössischen Materialismus verurteilte, dort der schlaue Fuchs, der horrende Einkünfte bezog (…).
Hans-Peter Schwarz

Hat er je bei seinen politischen Gegnern Wert, Freiheit und Würde der Person respektiert – von den eigentlichen christlichen Geboten wie Nächsten- und Feindesliebe (…) gar nicht zu reden!
Gösta v. Uexküll

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Sie verdirbt den Charakter, meinen hat sie auch verdorben.
Konrad Adenauer

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Mittelalterliche Grabplatte an der Außenmauer von Sankt Marien.

Er verschwendete keine Zeit. (…) Nicht umsonst liebte er Uhren. (…) Sein Abschiedsgeschenk an das Kabinett war eine große Tischuhr (…), »damit sich alle Diskussionsredner der nicht zurückholbaren Zeit bewußt bleiben«.
Horst Osterheld

(…) wenn ich sehe, wie sicher Sie im Glauben sind, bin ich froh, daß ich katholisch bin. (…) Wissen Sie, als Katholik muß man nicht so sicher sein; da genügt es, daß man den aufrichtigen Wunsch hat, glauben zu können. (…) Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann.
Konrad Adenauer zum US-Evangelisten Billy Graham

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Kruzifix vor Adenauers Stammplatz im Innern der Kirche.

Es bedurfte wohl eines langen und oft schmerzlichen Erleidens der Welt, um ihn zu der persönlichen Erkenntnis der Wirklichkeit Gottes zu führen. Diese Erfahrung wurde die Mitte seines persönlichen Lebens.
Eugen Gerstenmaier bei der Trauerfeier am 25. 4. 1967